1992:
eine Gruppe von rund 80 Schülern wird in die Welt entlassen...in den meisten Fällen neun Jahre, nachdem sie das erste mal das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium betreten haben. Das Abitur eines renommierten altsprachlichen Gymnasiums in der Tasche, was kann da schon schief gehen? Arbeitswelt, wir kommen!! Versprechungen, dass man in Kontakt bleibt, ein paar Tränen, weil sie ja doch schön war, die Schulzeit und ein wenig ängstlich, wie´s denn weiter geht.

2002:
Abiturjahrgang 1992
10 Jahre später...die paar Tränen sind längst vergessen, die Angst war unbegründet, die Kontakte sind ein wenig eingeschlafen....und plötzlich von irgendwo her ein Aufruf, seine Email-Adresse in eine Online-Liste einzutragen. Mensch klar, vor 10 Jahren....was ist denn wohl aus den anderen geworden....die eine oder den anderen hat man doch als Immernoch-Wuppertaler schon mal dort oder da getroffen...den kann man doch mal fragen..sicher hat der mal was von der gehört....und schon nimmt irgendwie alles seinen Lauf.
Im Zeitalter des Internets und der Email-Kommunikation geht ja auch alles viel einfacher...selbst das WDG hat eine eigene Homepage, man ist begeistert. Eine Email-Flut wird losgetreten, immer mehr Ehemalige beteiligen sich am Adressaustausch und so kommt Einiges zusammen...auch an Ideen zu einem Treffen.
Nachdem die ersten genervten Urlaubsvertretungen einen darauf hinweisen, dass es sich bei dem angemailten Postseingang doch immer noch um einen Firmeneingang handelt, wird klar, wir müssen uns strukturieren...das kennen wir ja...früher nannten wir das vielleicht Kurstreffen, heute kennen wir das als Meeting. Schnell wird übers Netz ein Treffpunkt vereinbart, man trifft sich - wie früher - im Luisencafé. Ein paar Daheimgebliebene erscheinen und schon steht das "Abi-Orga-Team" (übrigens ausschließlich Damen). Es wird geplant, geschrieben, telefoniert, getroffen, gemailt..., ein Konto wird eröffnet, ein Raum zum Feiern gesucht, "Vermisste" werden gefunden, geschäftliche Beziehungen greifen.. mit der Schule wird gemailt und telefoniert, ein Termin festgelegt, die Einladung entworfen...und, und, und.... Ein paar Monate zieht sich das schon noch hin, so einfach ist das gar nicht. Die meisten haben Wuppertal verlassen, leben z.T. im Ausland und/oder haben ihren Namen abgeben.
Irgendwann steht der Termin, den Partyraum stellt uns ein ebenfalls Ehemaliger, der heute stolzer Besitzer einer Clubdisco ist, der Direktor des WDGs verspricht uns einen Schulrundgang, das Buffet wird bestellt, die Gelder fließen auf das Konto, dessen Kontonummer so einfach zu merken ist, wie die der Spendenkonten, die man im Fernsehen genannt bekommt (schließlich hat man ja auch Banker in seinen Reihen) und plötzlich geht alles ganz schnell, dabei hat man noch gar nicht alle Bilder gescannt, die man am Abend an die Wand beamen will, gar nicht alle Hits der 80er zusammengestellt, die man am Abend hören will... wer besorgt den Prosecco, wann kommt das essen...? Und schon ist der 9.11..
Wir, das Orga-Team, stehen aufgeregt vorm Schultor (wie eh und je wartet stumm Pallas Athene mit uns...) und plötzlich werden wir persönlich vom Direktor und seinem Vertreter abgeholt (wenn einem das früher passierte, bedeutete das eher Ärger...) .... einiges hat sich verändert, aber irgendwie ist es doch wie früher...es riecht sogar ein wenig nach Schule und eine ganze Menge Erinnerungen werden wach. Nach und nach trudeln die Ehemaligen ein, man trinkt Prosecco im Lehrerzimmer und Herr Dr. Weeber heißt uns alle herzlich willkommen. Wir sitzen und lauschen...manchmal wird getuschelt und gekichert...sind wir wirklich älter geworden? Dann der Schulrundgang...irgendwie sind wir plötzlich wieder mindestens 10 Jahre jünger, wir setzen uns auf alte Plätze...weißt du noch, hier haben wir in Bio gesessen...hier war doch die große Party nach der Projektwoche....wo war noch gleich unser Klassenraum? Ganz schön spannend, nicht zuletzt auch deswegen weil uns die Herren Dr. Weeber und Peikert durch Hinterräume führen, die als Schüler definitiv nicht betreten werden durften. Ein Erinnerungsphoto im Raum 220 und wieder zurück ins Lehrerzimmer - schließlich will man noch ein wenig quatschen.

und schwups, da passiert es mir: Ich bekomme die Aufgabe, einen Bericht über unser Treffen zu schreiben....eine Hausaufgabe sozusagen....in Aufsätzen war ich immer gut, heute schreibe ich keine mehr, höchstens mal ein Besprechungsprotokoll....aber wer schreibt schon in einem Besprechungsprotokoll, wie der Raum roch, in dem man sich getroffen hat? ;-)) Gut, ich habe es getan, habe meinen Aufsatz fertig, könnte eigentlich noch mehr schreiben..über die anschließende Party, worüber man sich unterhalten hat, aber ich will ja beim Thema bleiben...
also schließe ich diesen Artikel jetzt ab, mit allerherzlichstem Dank ans Wilhelm Dörpfeld Gymnasium, das uns damals wie heute ebenso herzlich willkommen hieß...und schicke alles via Email an die Schule....schließlich sind wir ja jetzt alle 10 Jahre weiter.

Vielen Dank - hoffentlich können wir das irgendwann wiederholen...vielleicht zum 15.?

Nicole Geldmacher (Abi 92)