Schüleraustausch in St. Petersburg 1998




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Inhalt
Herzlicher Empfang
Die Schule
Der Unterricht
Die Freizeitgestaltung
Projekt 'Schülerzeitung'

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Im Sommer 1997 empfing das Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium erstmals russische Schülerinnen und Schüler des Ersten Humanistischen Gymnasiums, St. Petersburg. Im März 1998 fand der Gegenbesuch unserer Schule in St. Petersburg statt. Daran nahmen 10 Schülerinnen und Schüler der Russischgrundkurse 11 und 12 teil. Sie wurden von der Fachlehrerin für Russisch Frau Rankovic und der Referendarin Frau Dommer begleitet .

Herzlicher Empfang nach russischer Sitte

Am 18.03.1998 trafen wir uns morgens am Düsseldorfer Flughafen. Nach dreistündigem Flug wurden wir in St. Petersburg von unseren Gastgebern nach russischer Sitte mit Salz und Brot empfangen. Einige der russischen Schülerinnen und Schüler waren schon im vergangen Jahr in Wuppertal, so auch die Deutschlehrerin Olga Maximova Krjukova. Sie begleitete uns während des gesamten Aufenthalts. Nach fröhlichem Wiedersehen oder gegenseitigem Bekanntmachen wurden die deutschen Schülerinnen und Schüler in ihre gastgebenden Familien eingeführt. Der Empfang war herzlich und die spontane Sympathie zwischen Gastgebern und Gästen hielt auch während des gesamten Aufenthaltes in St. Petersburg an. Am nächsten Tag trafen wir uns in der Schule und tauschten zunächst Neuigkeiten aus. Alle waren zufrieden mit ihren Gastfamilien. Die meisten Gäste wohnten in einer kleinen 2-4 Zimmer-Wohnungen und bekamen sogar ihr "eigenes" Zimmer. Eine Schülerin wohnte z.B. mit ihrer Gastgeberin und der Gastmutter in einem großen Zimmer in einer Kommunalwohnung. In einer sogenannten Kommunalka teilen sich mehrere Familien eine Küche und ein Badezimmer. Das Zimmer ist durch Möbelstücke in kleinere Wohnbereiche eingeteilt, so dass jeder innerhalb dieses Raumes seinen Privatbereich besitzt.

Das Humanistische Gymnasium in St. Petersburg

Am ersten Schultag stand der Empfang durch Herrn Byrjachko, dem Direktor der Schule, auf dem Programm. Herr Byrjachko hieß uns willkommen und überreichte jedem eine Anstecknadel mit dem Emblem der Schule. Die Schule hat durchschnittlich 260 Schülerinnen und Schüler, die wie bei uns am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium mit Latein als erster Fremdsprache beginnen. Deutsch als Fremdsprache spielt neben Englisch eine wichtige Rolle. An den Sprachkursen beteiligen sich durchschnittlich 8 Schülerinnen und Schüler. Auch die anderen Kurse sind nicht wesentlich größer. Die Schule befindet sich in einem alten, großen Gebäude. Es gibt dort ein Lehrerzimmer, sogar einen Computerraum, einen größeren Versammlungsraum mit Bühne und eine Bibliothek, die vor allem von lateinischen Sprachwissenschaftlern der Stadt geschätzt und genutzt wird. Im Erdgeschoß ist eine alte Mensa, in der süße Brötchen, Tee und kleinere warme Mahlzeiten gereicht werden. Eine Etage höher befindet sich ein privates Cafe, das renoviert worden ist und ebenfalls Snacks verkauft, jedoch zu wesentlich höheren Preisen. Die Schule hat einen großen Einzugsbereich, der sich über die gesamte Stadt erstreckt. Voraussetzung für den Besuch ist ein strenger Aufnahmetest. Viele Schülerinnen und Schüler nehmen einen Anfahrtweg von z.T. mehr als einer Stunde in Kauf.

Erstmals im russischen Unterricht

Nach dem Empfang durch Herrn Byrjachko teilten wir uns in kleine Gruppen auf und nahmen an verschiedenen Unterrichtsstunden teil. Überall wurden wir freundlich und mit neugierigen Blicken aufgenommen und in den Unterricht integriert. Die Deutschstunden nutzten wir unter Leitung von Olga Maximova, um uns teils auf Deutsch teils auf Russisch mit den einzelnen Teilnehmern der Kurse bekanntzumachen. Hier sprachen wir über unsere ersten Eindrücke und über Unterschiede zwischen einer deutschen und einer russischen Schule. Mit besonderem Wohlgefallen bemerkten die deutschen Schülerinnen und Schülern, daß Pünktlichkeit hier nicht so großgeschrieben wird wie in Deutschland.

Alles perfekt organisiert - selbst unsere Freizeit

Olga Maximovna hatte zusammen mit ihrem Kurs ein sehr interessantes Programm für uns zusammengestellt. Gleich am ersten Tag nahmen wir nach der Schule an einer Führung durch die Eremitage teil. Für den nächsten Nachmittag hatte Olga einen Autobus für eine Stadtrundfahrt bestellt, so daß wir gleich zu Beginn unseres Aufenthalts einen Eindruck von der Größe und Schönheit der 8-Millionenstadt bekamen. Nach der Stadtrundfahrt besuchten wir ein Kindertheater, in dem mit viel Musik russische Volksbräuche und Spiele vorgetragen wurden. Obwohl die Fortbewegung in der Stadt sehr ermüdend war, verzichteten wir auf eine Mittagspause. Abends hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, sich in ihren Gastfamilien zu erholen. Abendliche Treffen wurden auf ein Minimum beschränkt. Am Samstagmorgen besuchten wir das Russische Museum und bekamen einen Eindruck von der Entwicklung der russischen Malerei. Der Samstagnachmittag und der Sonntag standen den Schülerinnen und Schülern zur freien Verfügung. Sie wurden in die Obhut der Gastfamilien genommen. Am Montag unternahmen wir einen Tagesausflug nach Puschkin und Pavlosk außerhalb der Stadt. Dort besichtigten wir den Katharinenpalast, in dem sich auch das berühmte Bernsteinzimmer befunden hat. Anhand von Bildern aus dem zweiten Weltkrieg wurde deutlich, welche Zerstörung die Deutschen brachten und welche Rolle sie im Petersburger Gebiet spielten. Die Geschichte wurde hier greifbar und gab Anlaß zu weiteren Diskussionen.
Ein weiterer Tagesausflug führte uns mit der Vorstadtbahn zum Zarenpalast nach Peterhof. An den Palast schließt sich ein großer imposanter Park an, der bis zum Ufer des Finnischen Meerbusens reicht. Da es im März noch sehr kalt ist, konnte man auf dem Eis weit ins Meer hinauswandern. Wir haben uns nur ein Stück hinausgewagt bis zu einem der unzähligen Eisfischer, die hier ihr Glück versuchten. Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch des Panzerkreuzers "Aurora". Hier ist eine Ausstellung über die Oktoberrevolution zu sehen. Außerdem besuchten wir die Peter-Pauls-Festung, das historische Herz der Stadt. St. Petersburg ist bekanntlich sehr reich an Kunst, Kultur und Geschichte. Dies haben wir während unseres Aufenthaltes auf Schritt und Tritt erfahren können. Auch für die Sprachpraxis war gesorgt. Die russischen Gastgeber waren bei allen Ausflügen dabei. Die Kommunikation geschah, wenn auch nicht ohne Einsatz von Händen und Füßen und mit viel Gelächter, auf Deutsch und Russisch. Hin und wieder war auch ein "verbotener" englischer Satz zu hören.

Das Projekt 'Schülerzeitung'

Wir trafen uns viermal in der Schule zum Projekt "Schülerzeitung". Die Idee dieses Projektes war es, parallel zum Unterricht in St. Petersburg, intensiv mit der russischen Sprache zu arbeiten und gleichzeitig ein Dankeschön an die Gastgeber in Form einer Schülerzeitung zu erstellen. Dieses Projekt wurde schon vor dem Schüleraustausch geplant und vorbereitet, so dass wir uns in St. Petersburg in der Schule auf die konkrete Texterstellung konzentrieren konnten. Die russischen Schülerinnen und Schüler wurden in die Arbeit eingebunden. In dem fertigen Produkt werden die Gastgeber und ihre Gäste vorgestellt, es wird ein Tagebuch geführt und es werden Unterschiede zwischen Deutschen und Russen herausgearbeitet. Dies geschah in russischer Sprache und aufgelockerter Form. Das Endprodukt wurde vervielfältigt und an unserem Abschiedsabend den Gastgebern als Dankeschön überreicht. In der Auswertung des Projekts waren sich die Schülerinnen und Schüler einig darin, daß es ihnen sprachlich genützt hat und daß das Erlebte in der Zusammenarbeit besser verarbeitet werden konnte. Zudem gaben sie an, ihre russischen Gastgeber bei der gemeinsamen Arbeit besser kennengelernt zu haben.

Für alle Beteiligten war der Schüleraustausch eine wertvolle Erfahrung. Die Schülerinnen und Schüler haben einen tiefen Einblick in das Alltagsleben der Russen nehmen können. Durch das Leben in einer Gastfamilie konnten sie russische Gewohnheiten, aber auch Probleme des Alltagslebens kennenlernen und hinterfragen. Im Gespräch mit verschiedenen russischen Partnern wurden stereotype Vorurteile abgebaut und die Toleranz und Akzeptanz der Unterschiede in den Kulturen gefördert. Dies wurde nicht nur bei Fragen zu den Lebensgewohnheiten sondern z.B. auch in Überlegungen zur wirtschaftlichen Lage in Russland oder unserer gemeinsamen Geschichte deutlich. Einen tiefen Eindruck hinterließ auch das geballte kulturelle Programm. Vor allem für den Sprachlernprozess war der Schüleraustausch wichtig, da auf beiden Seiten die Sprachhemmungen hörbar abgebaut wurden. Das Wichtigste, so schien uns, war es zu beobachten, wie sich herzliche Freundschaften zwischen deutschen und russischen Schülern vorbehaltlos und fröhlich entwickelten.




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Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium (www.wdg.de) - Frau Dommer - 12.11.1998