4 Monate in der Bretagne

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Inhalt:

Vorstellung
Anreise
Gasteltern und Aufenthaltsort
Schulalltag
Fazit
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Vorstellung:

Mein Name ist Lydia Siepmann, ich gehe in die Jahrgangsstufe 11 des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums. Von September bis einschließlich Dezember 1999 war ich als Gastschülerin in Quimper/Bretagne.

Anreise:

Am 2. September ging es morgens um 6.30 Uhr von Köln mit dem Zug Thalys nach Paris. Nach vier Stunden kam ich dort an. Die erste Panne: an sich war verabredet, dass ich dort am Zug erwartet würde, aber niemand war da. 30 Minuten wartete ich vergeblich, dann erst traf ich den Betreuer. Zusammen mit Schülern von anderen Partnerorganisationen verschiedener Länder, besichtigten wir Paris. Am nächsten Tag fuhr ich dann mit dem Zug weiter Richtung Bretagne. Mit gemischten Gefühlen erreichte ich am späten Abend Quimper.

Gasteltern und Aufenthaltsort:

Meine Gasteltern und ihr Hund Lawsonne begrüßten mich herzlich am Bahnhof. Sie haben zwei volljährige Kinder, die nicht mehr zu Hause leben; ich lernte meine Gastgeschwister jedoch später bei Besuchen kennen. An diesem Wochenende - wie auch an den folgenden - zeigten mir meine Gasteltern Quimper und die Umgebung. Quimper, die Hauptstadt des Departements Finistère, ist eine alte Stadt, die an der Mündung des Odet in den Atlantik liegt. Der ganze Stolz der Stadt ist die Kathedrale Saint - Corentin. Sie wurde vom 13. - 15. Jahrhundert im gotischen Baustil errichtet. Besonders faszinierend ist es, wenn das Sonnenlicht durch die Kirchenfenster fällt und sich die Bilder auf dem hellen Stein widerspiegeln. Umgeben ist die Kathedrale von alten Bruchstein- und Fachwerkhäusern, so dass der Eindruck einer mittelalterlichen Stadt z.T. erhalten geblieben ist. Die schönsten Ausflüge in die Umgebung führten natürlich an die Küste. Hier brechen sich die Wellen des Atlantiks an den steilen Granitfelsen. Die Bretonen sind sehr stolz auf ihre Eigenständigkeit. Sie grenzen sich bewusst vom übrigen Frankreich ab. In den letzten Jahren nehmen Bestrebungen zu, dass neben Französisch auch wieder Bretonisch gesprochen wird. z. T. werden auch noch alte Trachten getragen. Die bretonische Küche ist zum einen durch die Nähe des Meeres gekennzeichnet, es gibt daher oft Fisch oder andere Meeresfrüchte. Daneben bekommt man aber auch zahlreiche Arten von Crêpes und Galettes. Das Mittag- und Abendessen besteht aus mehreren Gängen und zieht sich oft über mehrere Stunden hin.

Schulalltag:

Am Montag, dem 5. September, ging es dann in die Schule. Der Schultag in Frankreich beginnt um 8.00 Uhr und endet, abgesehen vom Mittwoch, an dem um 12.00 Uhr Schulschluss ist, erst zwischen 16.00 Uhr und 18.00 Uhr. Das Mittagessen nehmen die Schüler in der Schulkantine ein. Auch hier besteht das Essen aus 5 Gängen. Der Unterricht selbst unterscheidet sich erheblich von dem an deutschen Schulen. Hervorzuheben ist zum einen die Disziplin, die von den Schülern erwartet wird und auch auf dem Zeugnis benotet wird. Zum anderen haben die Lehrer sehr viel Autorität, der Unterrichtsstoff wird von ihnen vorgetragen, während die Schüler fast ausschließlich mitschreiben. Es werden auch viel mehr Klausuren und Tests als in Deutschland geschrieben und zwar in allen Fächern. Die Mitschüler erwarten, dass man auf sie zugeht, da sie selbst sehr zurückhaltend sind. Begegnet man ihnen jedoch von Anfang an sehr offen, sind sie sehr hilfsbereit und freundlich. An meiner Schule, einem Lycée, gab es ca. 700 Schüler. Das Lycée beginnt mit dem 10. Schuljahr. Es werden zunächst fast alle Schüler genommen, die sich angemeldet haben. An meiner Schule erfolgte sodann jedoch eine strenge Auswahl, einem Teil der Schüler wurde während des ersten halben Jahres geraten, die Schule wieder zu verlassen. Die Klasse bestehen aus ca. 30 - 35 Schülern, weswegen u.a. auch jedes Jahr Ende September zahlreiche Streiks an französischen Schulen stattfinden. Bei den Unterrichtsfächern wird viel Wert auf Naturwissenschaften und Mathematik gelegt. Beim Fremdsprachenunterricht wird Grammatik gelehrt, der Gebrauch der Sprache tritt völlig in den Hintergrund. Zwischen Kirche und Staat wird eine harte Trennlinie gezogen, was sich z.B. darin zeigt, dass es an staatlichen Schulen keinen Religionsunterricht gibt.

Fazit:

Obwohl sich der französische Schulalltag sehr stark von dem deutschen unterscheidet, habe ich gerne das Lycée besucht. Ich habe dort viele Freunde gefunden, mit denen ich noch immer Kontakt habe. Großes Glück habe ich auch mit meinen Gasteltern gehabt, sie waren überaus freundlich, nett und hilfsbereit. Mindestens einmal in der Woche telefonieren wir miteinander und in den Sommerferien werde ich sie wieder für einige Wochen besuchen. Wer seinen Auslandsaufenthalt in Frankreich verbringen möchte, sollte vor allem offen gegenüber anderen Menschen und neuen Erfahrungen sein, denn es ist nichts besser oder schlechter, es ist anders. Damit kann man dann, so wie ich, Frankreich und insbesondere die Bretagne schätzen und lieben lernen.

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Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium (www.wdg.de) - Lydia Siepmann - 12.04.2000