Schüler im Ausland

Max Melcher aus Seattle, Washington, USA




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Inhalt
Vorstellung
Privatleben und Gasteltern
Das amerikanische Schulsystem
Ratschläge für euch
Fazit

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Max ist einer unserer Schüler, der einen Austausch in die USA macht. Auf diesen berichtet er über seine Erlebnisse.



Vorstellung

Schönen guten Tag!!!
Nun bin ich schon 8 Monate hier in Amerika. Falls Ihr es nicht wissen solltet, ich bin Max, und ich bin hier in Seattle im Bundesstaat Washington. Also, ich wohne in der Kleinstadt Kingston, die ca. 25 km nord-westlich von Seattle liegt und ca. 2000 Einwohner hat. Wir sind hier von 2 Gebirgen umgeben, was die Landschaft hier natürlich sehr hügelig macht. Das Wetter hier läßt mehr als nur zu wünschen übrig: 6 Monate mit konstantem Regen, ohne Pause!!! Ich wohne hier bei einer Gastfamilie, die nur aus einem Ehepaar ohne Kinder besteht.

Privatleben und Gasteltern

Das Leben hier drüben ist anders, als ich es von Deutschland gewohnt war. Im allgemeinen kann man sagen, daß die Amerikaner viel freundlicher sind als die Deutschen. Von jedem, den ich hier getroffen habe, und das waren ungemein viele, wurde ich immer und überall mit einem großen "Hallo" und einer Umarmung empfangen. Die Tatsache, daß ich keine Gastgeschwister habe, kann ab und zu ein kleines Problem darstellen, da es von Zeit zu Zeit recht langweilig werden kann, wenn man wie ich recht weit weg von der Schule, und somit allen anderen Schülern, wohnt. Meine Gasteltern arbeiten beide bis 17:30 Uhr. Das bedeutet, daß ich oft alleine bin und mich zu Tode langweile. Am schlimmsten war es in den ersten 2-3 Monaten, da ich noch überhaupt keine Freunde hatte und somit den ganzen Tag nur zu Hause herum gesessen haben. Das hat sich aber nach diesen 3 Monaten gelegt, und jetzt bin ich fast nie mehr alleine.

Das amerikanische Schulsystem

Die Schule, die ich besuche, hat 1600 Schüler und ist die typische amerikanische Highschool. Schule hier drüben ist nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. Hier ist es viel einfacher. Ich hatte die größten Schwierigkeiten, mich an das Schulsystem zu gewöhnen. Hier kommen alle zur selben Zeit und gehen auch zur selben. Jeder hat nur 4 Fächer pro Halbjahr, und es ist mit unserer Oberstufe zu vergleichen, da man die Fächer wählt. Die Zeiten an meiner Schule sehen so aus:
7:40 - 9:05 1.Stunde
9:15 - 10:40 2.Stunde
10:50 - 11:30 1.Teil 3. Stunde
11:30 - 12:05 Mittagspause
12:05 - 12:40 2.Teil 3.Stunde
12:50 - 14:15 4. Stunde
Die Mittagspause ändert sich jeden Monat, so daß nicht alle Schüler zur selben Zeit draußen sind. In diesem Monat habe ich die oben beschriebene 2. Pause, was bedeutet, daß einige Schüler ihre Pause direkt nach der 2. Stunde haben, und andere nach der 3.. Ich habe Pause in der Mitte. Für dieses Halbjahr sieht mein Stundenplan so aus:
- Amerikanische Geschichte
- Englisch 11
- mathematische Analysen
- Lehrerassistent in Deutsch
Ich weiß, ich weiß!! Das ist nicht viel!! Aber es ist auch nicht besonders gut, da es stinken-langweilig wird, wenn man jeden Tag zur selben Zeit das selbe Fach hat. Aber auch daran kann man sich gewöhnen. Die Schule hat nur ca. 20 Lehrer, was sehr wenig ist, wenn man bedenkt, daß 1600 Schüler rumschwirren. Aber die Klassen sind trotzdem nicht größer als in Deutschland, was ich auf den komischen Stundenplan zurückführe, der oben beschrieben wurde. Die Klassenzimmer sind hervorragend ausgestattet: In jedem Raum befindet sich ein Computer mit Internetanschluß, ein Telefon, Fernseher, Videorecorder, OHP, usw. Jeden Morgen zu Beginn der 1. Stunde muß jeder aufstehen, und eine Art Glaubensbekenntnis für die Vereinigten Staaten wird über Lautsprecher in jeden Raum geleitet. Das ist äußerst nervig, aber auch hier gilt: man gewöhnt sich dran. Die Schüler sind sehr stolz auf ihre Schule. Fast jeder Trägt eine Schuljacke, oder irgend etwas in den Schulfarben (lila, gold). Alles in allem muß ich sagen, daß das amerikanische Schulsystem in keinster Weise mit dem deutschen mithalten kann. Es ist einfach, und es wird nichts von einem verlangt. Das beste Beispiel hier für ist, daß ich zum Schüler des Monats gewählt wurde, und einen GPA von 4,0 habe, was mit einen Durchschnitt von 1,0 in Deutschland gleichzusetzen ist.

Ratschläge für euch

Aber wenn Du planst irgendwann auch ein Jahr in die USA zu gehen, kann ich Dir zwei Ratschläge geben: 1: Gehe auf die Leute zu, und sprich sie an, ganz besonders in der Schule. Die amerikanischen Jugendlichen haben Schwierigkeiten mit neuen Gesichtern, und sie werden wahrscheinlich nicht auf dich zukommen. 2.: Nimm nicht die leichtesten Fächer in der Schule. Trau Dich, was Hartes zu nehmen, denn ich kann dir versichern, wenn Du eine harte Klasse nimmst, wird sie noch lange nicht so sein, wie Du es von Deutschland gewohnt warst.

Fazit

Ich habe natürlich auch schon einige Dinge unternommen, seitdem ich hier bin. Daß ich hunderte von Leuten kennengelernt habe, habe ich ja schon erwähnt. Außerdem war ich mit meiner Gastmutter in Kalifornien, in LA, Hollywood, und, natürlich, Disneyland. Das war einfach nur stark. Es war, als ob ich in ein anderes Land geflogen wäre. Man glaubt gar nicht, wie verschieden die einzelnen Staaten der USA sind. Die Menschen sind anders, sobald man in den Nachbarstaat kommt. Die Lebensgewohnheiten sind anders, nur eins ist überall gleich: das Essen!! Davor muß ich Euch warnen!! Das Essen ist, was ich "nicht so ganz mein Fall" nennen würde. In den ersten paar Monaten war es echt Klasse, da ich es nicht gewohnt war, daß Brot so weich sein kann, und alles in 5 Minuten fertig gekocht war. Aber nach ca. 2 Monaten habe ich das Essen meiner "richtigen" Mutter schon ganz schön doll vermißt. Die Hamburger und Tacos kamen mir zu den Ohren raus, und ich will einfach nur ein normales Schnitzel haben. Aber man gewöhnt sich an alles, oder man kümmert sich einfach nicht mehr darum was man ißt, da man so oder so zunehmen wird. Wenn Du also einen Austausch machen möchtest, mach Dich darauf gefaßt, daß Du 5-10 Kilo zunehmen wirst. Alles in Allem muß ich sagen, daß das Jahr wirklich unglaublich gut verlaufen ist, und es eine unglaubliche Erfahrung war, aber ich freute mich trotzdem total auf zu Hause!!

 

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Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium (www.wdg.de) - Max Melcher - 14.08.1999